Von Löwen und Gazellen

View of Cape Town

Ein Beitrag von Florian Huber, Consumer Products & Retail Transaction Services Leader für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

 

Vor Kurzem war ich eine Woche in Kapstadt unterwegs; vom 15. – 17. Juni 2016 fand hier der diesjährige Summit des Consumer Goods Forums statt.

Der Besuch war für mich wirklich etwas Besonderes: Zum einen ist der CGF-Summit die größte Konferenz ihrer Art (geschätzt waren mehr als 2 Billionen Dollar Food-Umsatz im Raum), zum anderen fand sie erstmals in Afrika statt. Auch für mich war es übrigens der erste Besuch auf diesem Kontinent. Meine Eindrücke in Südafrika habe ich auf meinem Twitteraccount dokumentiert.

Sowohl bei meiner Tour durch die Shops in Kapstadt als auch bei den Vorträgen auf der Konferenz hat sich gezeigt: Wer in Afrika erfolgreich Geschäfte machen will, muss pragmatisch sein und die lokalen Gegebenheiten einbeziehen. Nur so kann er relevant für die Kunden vor Ort sein.

Ein afrikanischer Entrepreneur, der auf dem Consumer Goods Summit gesprochen hat, stellte das beeindruckend unter Beweis.

Ludwick Marishane, Founder und Managing Director bei Headboy Industries, erkannte das Problem mangelnder Körperhygiene aufgrund von Wasserknappheit vielerorts auf dem afrikanischen Kontinent. Mit der Entwicklung eines Waschgels, das auch ohne Wasser reinigt, trägt er dazu bei, ein elementares Problem der örtlichen Bevölkerung zu lösen und gleichzeitig knappe Ressourcen zu schonen. Den Businessplan für seine Geschäftsidee verfasste er übrigens ausschließlich auf seinem Smartphone und im Internetcafé, da er zu dieser Zeit keinen Laptop besaß. Um in Afrika Geschäfte zu machen, muss man eben auch lernen, anders zu denken.

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Ludwick Marishane bei seinem Vortrag

Ein Schwerpunktthema der Konferenz regte nachhaltig zum Nachdenken an: Es war die Frage, welchen Beitrag die Konsumgüterbranche leisten kann, um die Verschwendung von Lebensmitteln einzudämmen.

In den Industrienationen ist der Konsument Hauptverursacher für die Lebensmittel-verschwendung (95-115 kg pro Konsument pro Jahr). Dagegen sind in den Emerging Markets hauptsächlich Ineffizienzen in der Produktions- und Lieferkette daran schuld. In verschiedenen Beiträgen wurde deshalb erörtert, wie sich Hindernisse innerhalb der Supply Chain überwinden lassen und auch der Endverbraucher zu mehr Nachhaltigkeit „erzogen“ werden kann.

Im Übrigen treibt das Thema Digitalisierung nach wie vor die Entscheider der Konsum-güterbranche um. Ein Highlight der Konferenz war daher der Auftritt von Alibaba-Boss Daniel Zhang mit seiner Ambition, bis 2020 als erstes Handelsunternehmen einen Umsatz von mehr als einer Billion Dollar zu generieren. Man darf gespannt sein, was uns aus China noch erwartet.

Mein Fazit zum Consumer Goods Summit 2016: Ein spannendes Programm mit hochkarätiger Besetzung. Deutlich spürbar waren die Energie und das Potenzial Afrikas. Es wird sich zeigen, ob die Konferenz Vorbehalte von Unternehmensstrategen beseitigen konnte, so dass daraus konkrete Investitionen in Afrika resultieren. Immerhin lautete das Motto der Veranstaltung ja: „Seizing opportunities in the face of disruption“.

Schließen möchte ich mit einer Weisheit, die ich in Südafrika gelernt habe. Sie passt, wie ich finde, wunderbar zum derzeitigen Tempo der Veränderung in der Konsumgüterbranche :

Jeden Morgen wacht ein Löwe auf und weiß, dass er schneller rennen muss als die langsamste Gazelle. Und jeden Morgen wacht eine Gazelle auf und weiß, dass sie schneller rennen muss als der schnellste Löwe. Die Moral von der Geschichte: Wenn die Sonne aufgeht, solltest du lieber rennen – egal, ob du eine Gazelle bist oder ein Löwe.

Ich freue mich sehr auf die Diskussion mit Ihnen!

Ihr Florian Huber

 

Über den Gastautor:

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Florian Huber leitet in der Transaktionsberatung den Bereich „Consumer Products & Retail“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zudem verantwortet er die deutschen Aktivitäten der transaktionsnahen Strategieberatung. Neben den klassischen Themen hat Florian Huber als Schwerpunkte Disruptive Growth, Digital Transformation und agile Entscheidungsfindung.


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