Im Rabattrausch

Sale

Manche Dinge sind nicht totzukriegen – wie etwa der Sommerschlussverkauf. Dafür, dass der SSV schon längst offiziell abgeschafft wurde, läuft er nämlich nach wie vor ziemlich erfolgreich.

Die Schnäppchenjagd zur Sommerzeit ist längst in die DNA von Händlern und Konsumenten übergegangen; beide Seiten können sich kaum mehr davon trennen. Auch wenn mittlerweile in einigen Branchen das ganze Jahr über Ausverkauf herrscht, ist der SSV-Termin trotzdem noch eine feste Größe im Shoppingkalender.

Auch in diesem Jahr dürfen sich die Konsumenten wieder auf satte Rabatte freuen, wie unsere jährliche Umfrage anlässlich des Sommerschlussverkaufs – das EY-Handelsbarometer* – beweist.

Die befragten Händler wollen in diesem Jahr im Schnitt 25 Prozent Rabatt gewähren. Und 16 Prozent der Befragten möchten ihre Rabattaktionen künftig noch ausbauen. Höchst interessant, wenn man bedenkt, dass schon jetzt 33 Prozent der Händler sechs oder mehr Rabattaktionen über das Jahr hinweg anbieten. Das muss langfristig zwangsläufig zu Lasten der Marge gehen.

Zudem werden Konsumenten regelrecht zu Sparfüchsen erzogen. Weshalb etwas zum regulären Preis kaufen, wenn der nächste Sale schon vor der Tür steht?

Dementsprechend empfinden 88 Prozent der befragten Unternehmen die Nachfrage der Kunden nach Rabattaktionen als ‚sehr hoch‘ bis ‚hoch‘. Besonders die Textilbranche setzt nach wie vor gerne Rabatte zur Kundenakquise und – bindung ein. Groß ist hier die Angst, der Konsument könnte zur Konkurrenz abwandern.

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Allerdings sehe ich die Rabattwut im Einzelhandel durchaus kritisch. Verstehen Sie mich nicht falsch; Rabattaktionen können sehr wohl zielführend sein – wenn sie gut dosiert und sinnvoll eingesetzt werden.

Warum Rabatte nicht selektiv anwenden, zum Beispiel nur für Inhaber einer Kundenkarte, als Anreiz für die Anmeldung? Oder für Kunden, die länger nichts mehr im Onlineshop bestellt haben und zurückgewonnen werden sollen? So gehen bisher nur 35 Prozent der befragten Unternehmen vor.

Meines Erachtens sollten Händler jetzt vermehrt neue, nachhaltige Wege der Kundenbindung suchen, abseits der Rabatte. Die Zeichen dafür stehen gut: Historisch niedrige Zinsen und geringe Arbeitslosigkeit kurbeln die Konjunktur an und machen Lust auf Konsum.

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung – und freue mich auf die Diskussion mit Ihnen!

Ihr Thomas Harms

 

* Befragt wurden 120 leitende Manager der führenden deutschen Handelsunternehmen

 


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