Ist Compliance von der Stange ein Ladenhüter?

Wirksame Umsetzung von Compliance-Management im Handel und Konsumgütersektor. Ein Gastbeitrag von Andreas Pyrcek, Partner, EY FIDS: Business Integrity & Corporate Compliance Services.

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Für die Konsumgüterbranche gilt (vielleicht mehr als für jede andere Branche): Ist der Ruf erst ruiniert, verkauft sich’s denkbar schlecht. Jeder von uns ist Konsument und kauft regelmäßig ein – für den täglichen Bedarf und gelegentlich, um sich etwas zu gönnen. Und weil die Konsumgüterbranche einige unserer elementarsten Bedürfnisse bedient, sind hier viele Emotionen im Spiel.

Aus diesem Grund ist der „gute Ruf“ und damit verbunden das Konsumentenvertrauen im Handel und in der Konsumgüterindustrie ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Kommen unternehmerische Fehltritte einmal ans Licht, sind sie aus dem kollektiven Konsumentengedächtnis nicht mehr so einfach zu löschen.

Compliance: Notwendiges Übel oder einzigartiger Wettbewerbsvorteil?

Korruption, Exportkontrolle, Arbeitsbedingungen und dergleichen mehr – Unternehmen im Handel und in der Konsumgüterindustrie müssen eine Vielzahl von verschiedenen Risiken auf dem Radar behalten, um mögliche Strafen und vor allem Reputationsverluste frühzeitig abzuwenden.

In meinem Alltag stellen Unternehmen daher häufig die Frage, wann es denn „genug mit der Compliance“ sei. Oder: „wenn man sich an internationalen Standards orientiert, dann ist doch alles gut, oder?“

Das muss ich jedoch relativieren. Bei der Umsetzung eines Compliance-Management-Systems gibt es nicht den einen Königsweg. Lösungen „von der Stange“ erzielen oft nicht den gewünschten Effekt. Denn Compliance-Standards wie etwa der UK Bribery Act, der Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) oder die neuen ISO-Normen 19600 und 37001 bieten Unternehmen oft nur einen Orientierungsrahmen. Die Kür bei moderner Compliance ist es, Anforderungen solcher Normen auf das Unternehmen zu übertragen und daraus einen echten Wettbewerbsvorteil zu generieren.

Bei meiner Arbeit als Berater erlebe ich jedoch häufig, dass die Compliance-Systeme hinter den an sie gestellten Erwartungen zurückbleiben. Doch weshalb ist das so?

Compliance funktioniert nur mit der vollen Akzeptanz der Mitarbeiter. Dass der Compliance Officer diesen Punkt verstanden hat, ist ein elementarer Erfolgsfaktor jeder Compliance-Strategie. Wenn die Mitarbeiter nicht mitziehen, scheitern alle Compliance-Maßnahmen.

Um das Buy-in der Mitarbeiter zu erreichen, ist eine robuste und umfassende Compliance-Risikoanalyse als Herzstück des Systems erforderlich. Auf der Basis der Ergebnisse lassen sich die Zielgruppen, die Aktivitäten und Maßnahmen konkret definieren, nachhaltig planen und auf verständliche Weise in die Organisation tragen.

Die Compliance-Kommunikation muss jeden Mitarbeiter abholen und ihm anschaulich vermitteln, dass Compliance nicht trocken ist, sondern spannend und das Unternehmen langfristig auf Erfolgskurs hält. Nur so kann das Integritäts- und Compliance-Management in die DNA des Unternehmens eingehen, nach innen und außen gelebt werden und so zu einer positiven Abgrenzung vom Wettbewerb führen – quasi „Ihr Bestseller“.

Wie dies für Ihre Unternehmen gelingen kann, diskutiere ich sehr gerne mit Ihnen!

Ihr Andreas Pyrcek

 

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Andreas Pyrcek ist Partner und CCEP-I der Fraud Investigation & Dispute Services (FIDS) bei EY Düsseldorf und Leiter der Integrity & Compliance Services. Im Rahmen seiner Tätigkeit hat er u.a. drei Jahre die Compliance-Beratung von EY in New York/USA geleitet. Er ist verantwortlich für große und komplexe Projekte im Bereich Integritäts- und Compliance-Management.


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