Im Heimatland des Discounts?

Der Consumer Goods Forum Global Summit 2017 ist eröffnet und ein ereignisreicher erster Tag liegt hinter uns.

Gestern habe ich an der vom Consumer Goods Forum organisierten Storetour quer durch Berlin teilgenommen. Die Tour findet traditionell am ersten Konferenztag statt und soll den vornehmlich internationalen Gästen Einblick in die lokale Handelslandschaft geben. Ich selbst habe die Tour bereits in einigen Metropolen mitgemacht. In diesem Jahr durfte ich eine der Gruppen als Knowledge Partner begleiten und meine Insights zur deutschen Handelsszene weitergeben.

CGF

Das CGF hat dabei für Berlin ein wirklich buntes Programm zusammengestellt: Vom Basic Discounter bis hin zum Nobelkaufhaus waren alle Facetten des deutschen Handels vertreten.

Auf der einen Seite das typisch-deutsche Klischee vom Einkauf beim Discounter: Der Deutsche will seine Basisprodukte möglichst einfach, schnell und vor allem günstig einkaufen und es darf dann auch gern etwas mehr sein. Auf der Storetour zeigte sich, dass das Konzept Discount nach wie vor gut funktioniert, doch wir sehen auch eine Menge Bewegung. Nur billig reicht heute längst nicht mehr. Und so wird aufgerüstet: mit Backstationen, in denen das Brot permanent frisch gebacken wird und im Markt duftet, einer ansprechenderen Gestaltung des Frischebereichs sowie einer immer größeren Range an Produkten. Bis zu 4000 Stock Keeping Units (SKUs) führten die Discounter, die wir gestern besucht haben.

Und wie reagieren die traditionellen Supermärkte darauf? Die setzen voll und ganz darauf, Erlebniswelten für den Konsumenten zu schaffen. Durch ein luftiges, helles Design mit ansprechender Warenpräsentation, die an einen Wochenmarkt erinnert, viel Bio, viel Special Foods, viel Convenience – von der SB-Salattheke bis hin zur Sushibar und Frozen Yoghurt-Zapfstation war alles geboten. Und preislich bieten die Supermärkte den Discountern mit Eigenmarken im Einstiegspreissegment die Stirn.

Eine ganz andere Seite der deutschen Handelslandschaft – nämlich ultimativen Luxus – konnten die Teilnehmer der Storetour im berühmten KaDeWe kennenlernen. Immer wieder einen Besuch wert und immer wieder faszinierend. Besonders die neu eröffnete Designer-Damenabteilung im zweiten Stock ist ein echtes Must-See. Hier zeigt sich wieder: Wenn es um besondere Produkte geht, ganz gleich ob im Food- oder Non-Food-Bereich, die emotional aufgeladen sind, sind Konsumenten durchaus bereit, sich Zeit zu nehmen, sich auf das Einkaufserlebnis einzulassen und (natürlich) auch den einen oder anderen Euro mehr auszugeben.

Ich denke, gerade für die internationalen Gäste war die Storetour durch Berlin eine spannende Erfahrung und hat dazu beigetragen, das Image vom deutschen Billigheimertum in Sachen Lebensmittel zu revidieren. Fazit dieses Tages war für mich einmal mehr: Der Handel muss seine Konzepte grundlegend überdenken. Nur gut und billig reicht eben nicht mehr – ohne die Komponente „Einkaufserlebnis vor Ort“ wird die Schlacht gegen die Onlinegiganten, die gerade mit aller Macht in den Markt drängen, nicht zu schlagen sein.

Ich bin gespannt, was die Woche beim CGF Summit noch bringt. Ich halte Sie auf dem Laufenden!

Ihr Thomas Harms


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s